Taipei Pride: Das bunte Highlight meiner 13-tägigen Taiwan-Reise

von 20. Feb. 2026Taiwan, Asien, Reisen, Taipei0 Kommentare

Nach 13 Tagen voller Eindrücke zwischen der Pazifikküste in Hualien, der hippen Kunstszene in Kaohsiung, und den tollen Restaurants in Tainan auf meiner Rundreise fühlte sich die Rückkehr nach Taipei schon fast wie ein Nachhausekommen an. Dieses Gefühl, wenn man aus der U-Bahn steigt, und die vertrauten Ansagen in den Zügen schon kennt, kein Google Maps mehr braucht, um den Weg zu finden, weil man schon oft hier so oft hier war, dann man fühlt sich einfach wohl. Doch dieses Mal war Taipei bunter, denn der Taipei Pride fand statt – der größte Pride in ganz Asien. 

Taipei 2023 und 2025

Ich war bereits 2023 das erste Mal in Taiwan, allerdings lediglich fünf Tage in Taipei selbst. Mich hat die Stadt aber damals schon so fasziniert, dass ich beschlossen habe, ganz bald zurückzukehren und mir dann mehr von diesem wunderbaren Land anzuschauen. Damals blieb nicht viel Zeit, da es direkt nach Thailand weiter ging. Das Essen, die unfassbar freundlichen Menschen und die einzigartige Mischung aus ultramoderner Architektur und Tradition sind einmalig.

In Deutschland schreibt man übrigens noch ab und an Taipeh statt Taipei. Während Ersteres eher in traditionellen deutschsprachigen Medien zu finden ist, hat sich international und vor Ort die Schreibweise Taipei durchgesetzt. Da ich mich auf meinem Blog an den internationalen Standards orientiere, bleibe ich bei der modernen Form.

2025 war es dann endlich soweit: Knapp zwei Wochen hatte ich mir für die gesamte Insel vorgenommen. Doch auch bei diesem Trip sollte Taipei der Dreh- und Angelpunkt sein, die Zeit reichte auch jetzt nicht aus, um alles auf der Insel zu entdecken. Ganz zu Beginn blieb ich drei Tage im pulsierenden Taipei, um mich einzustimmen. Was mich jedoch ziemlich erwischt hat, war die Hitze, die war unerwartet und heftig. Mitte Oktober rechnet man in Europa mit Herbstwetter, in Taipei drückte das Thermometer jedoch weit über die 30-Grad-Marke statt der erwarteten 24 oder so.

Endlich Jiufen, Shifen und Yehliu: Wiedergutmachung mit dem Wetter

Jiufen, Taiwan

Jiufen

Ein besonderes Highlight der ersten Tage war mein Tagesausflug zum Yehliu Geopark, nach Shifen und in das geschichtsträchtige Jiufen. 2023 war dieser Ausflug buchstäblich ins Wasser gefallen – strömender Regen hatte meine Tour auf der Hinfahrt zum Stoppen gebracht. 2025 strahlte die Sonne.

In Shifen beobachtete ich das traditionelle Steigenlassen der Laternen an den Bahngleisen, ein magischer Anblick, aber auch sehr touristisch. Jiufen wiederum, das Dorf, das oft als Inspiration für Ghiblis Animationsfilm „Chihiros Reise ins Zauberland“ genannt wird, raubte mir mit seinen steilen Treppen und den roten Lampions am Abend den Atem. Die Menschenmassen taten ihr Übriges, aber es war trotzdem sehr schön. Ich denke, manche Orte Orte man zweimal besuchen, um sie wirklich zu entdecken. Ich kann übrigens diese geführte Ganztagestour von Taipei aus sehr empfehlen (Affiliate-Link).

Ich hatte meine gesamte Route extra so gelegt, dass ich den Pride am Ende der Reise miterleben konnte. Dieser findet traditionell immer am letzten Samstag im Oktober statt.

Meine Route durch Taiwan 2025:

  • Taipei (3 Nächte)
  • Hualien (2 Nächte)
  • Kaohsiung (2 Nächte)
  • Tainan (2 Nächte)
  • Taipei und Pride (3 Nächte)

Hierzu kommt bestimmt noch der ein oder andere Beitrag wink

Das Wetter in Taipei

Wer nach Taiwan reist, sollte sich bewusst sein, dass das Wetter ein dominantes Thema ist. Das Land ist geprägt von Monsunen und liegt in einer Taifun-Zone. Generell ist es subtropisch, was bedeutet: Es ist eigentlich immer feucht. Ab Oktober wird es normalerweise deutlich angenehmer und die große Hitze verabschiedet sich. Meine Erfahrung mit über 30 Grad zu Beginn war daher eher ungewöhnlich. Aber mit dem Klimawandel ist eben nichts mehr so wirklich wie es bisher immer war.

Erst bei meiner Rückkehr zum Pride-Wochenende zeigte sich das typische Oktober-Gesicht: Bewölkter Himmel und ein wenig Regen. Doch bei milden 26 Grad war das Wetter eigentlich perfekt, um stundenlang durch die Straßen zu ziehen, ohne sofort einen Hitzeschlag zu bekommen. Der Regenschirm wurde aber mit eingepackt.

Taipei Klimatabelle

Klimatabelle für Taipei

Taipei und der „Taiwan Pride“: Geschichte und Bedeutung

Rainbow Six, Taipei

Ich am Rainbow Six in Ximending

Der Taipei Pride (oft auch Taiwan Pride genannt) ist weit mehr als nur eine bunte Parade, sondern ein politisches Statement. Die erste Parade fand 2003 mit gerade einmal 2.000 Teilnehmern statt. Dass sich daraus das größte LGBTQ+-Event Asiens entwickelt hat, spricht Bände über die progressive Entwicklung des Landes.

Ein Meilenstein war das Jahr 2019: Damals nahmen ca. 200.000 Menschen teil, um zu feiern, dass Taiwan als erstes Land in Asien die gleichgeschlechtliche Ehe offiziell anerkannt hatte. 2025 waren es trotz des eher durchwachsenen Wetters immer noch beeindruckende 150.000 Teilnehmer.

Das Motto 2025, Beyond links, more than clicks war ein Aufruf, den digitalen Aktivismus (Likes und Shares) in echte, physische Unterstützung und Präsenz zu verwandeln – besonders in einer Zeit, in der Themen wie DEI (Diversity, Equity, Inclusion) weltweit wieder stärker unter Beschuss geraten (vor allem ausgehend von den USA).

Die Parade: Ein ganz anderes Erlebnis als hierzulande

Das Highlight der Pride-Tage in Taipei ist zweifellos die Parade, die am letzten Samstag im Oktober stattfindet. Sie startet am Rathaus (Google Maps) mit zwei getrennten Laufstrecken. Ich habe mich entschieden, nicht nur vom Rand aus zuzusehen, sondern die gesamte Route mitzulaufen. Dabei fielen mir sofort gravierende Unterschiede zu Pride-Events in Deutschland oder den USA auf.

Mitten im Stadtverkehr statt abgesperrter Partymeile

In Europa sind wir es gewohnt, dass Straßen für die Zeit der Parade abgesperrt  werden. In Taipei dagegen fließt der Verkehr weiter – Roller, Autos und Busse – oft direkt auf der Spur neben der Parade. Die Polizei reguliert den Fluss mit einer bewundernswerten Ruhe. Das hat einen interessanten Effekt: Es gibt keine harten Barrieren zwischen „Teilnehmern“ und „Zuschauern“, die Grenze verschwimmt. Wer am Straßenrand auf seinen Bus wartet, wird für einen Moment Teil der Parade.  Das nimmt dem Event jede Aggressivität und macht ihn einladend und friedlich.

Aktivismus statt Kommerz

Ein weiterer Punkt ist der Grad der Kommerzialisierung. Während westliche Prides oft von riesigen Firmenwagen dominiert werden (so dass mittlerweile schon das Wort Pinkwashing die Runde macht), steht in Taiwan das soziale Engagement im Vordergrund. Es gibt kaum massive Werbung. Stattdessen dominieren NGOs, lokale Community-Gruppen und auch religiöse Organisationen, die ihre Unterstützung zeigen, das Bild. Kleinere Sponsoren sind natürlich trotzdem dabei, aber eben nicht der Großteil der Parade.

Ich verbrachte viel Zeit an den Ständen rund um das Rathaus vor und nach der Parade. Hier ging es nicht darum, wer den teuersten Drink verkauft, sondern bei den meisten Ständen um Aufklärung. Ich traf dort auch einige der bekanntesten taiwanesischen Influencer zufällig, was mich ziemlich gefreut hat, folge ich manchen schon sehr lange. VIP-Bereiche oder Absperrungen gab es keine, jeder hat sich mit jedem unterhalten. Auch der Bürgermeister hat sich gezeigt. Man stand gemeinsam in der Menge mit einem Bier oder Drink und hat mit jedem gequatscht oder Selfies gemacht. Das hat einfach riesigen Spaß gemacht.

Taipei Pride

Die Party danach

Natürlich geht die Party nach der Parade weiter, genauso wie schon die Vortage von abendlichen Parties in ganz Taipei geprägt waren. Vor allem in den Bars und der ganzen Area rund um das Red House, dem LGBTQ+-Distrikt in Taipei, spielt sich das Leben ab. Hier finden sich viele Szene-Bars und auch der berühmte Rainbow Six, der Regenbogen-Zebrastreifen. Wer noch weiterfeiern will, sollte sich hierhin auf den Weg machen (Red House, Google Maps).

Zu Clubs und Parties kann ich nichts sagen, da ich an keiner teilgenommen habe. Es ist aber für jeden Geschmack etwas geboten 😉 und ich habe auch viele Schlangen vor den Clubs gesehen.

Wo übernachten in Taipei? Meine Tipps für das perfekte „Zuhause“

Da dies mein zweiter langer Aufenthalt war, konnte ich die Viertel besser einschätzen. Für den Pride ist die Wahl des Standorts strategisch wichtig:

  • Ximending (Wanhua District): Hier schlägt das Herz der Szene. Das „Red House“ ist der Treffpunkt schlechthin. Wer Trubel, Streetfood und Nachtleben liebt, ist hier richtig. Es ist laut, hier ist immer was los, und man ist sofort „mittendrin“ (in Ximending habe ich 2023 übernachtet)
  • Zhongshan: Mein persönlicher Favorit für den Alltag. Hier findet man kleine Design-Läden, versteckte Jazz-Bars und die besten Ramen-Restaurants der Stadt. Es ist eine perfekte Mischung aus dem alten und dem neuen Taipei. Hier war ich 2025 und ich fand die Gegend einfach toll. Super Restaurants, Shopping-Malls, und die U-Bahn direkt in der Nähe.
  • Da’an: Wenn man es etwas gehobener und entspannter mag. Der Da’an Forest Park bietet eine grüne Lunge, und die Cafés in den Seitenstraßen servieren Specialty Coffee auf Weltniveau.

Mein Tipp: Wählt ein Hotel entlang der Bannan Line (blaue Metro-Linie). Sie verbindet Ximending (Party/Szene) direkt mit dem Rathaus (Start der Parade).

Kulinarische Entdeckungen: Mehr als nur Bubble Tea

Beef Noodle Soup, Taiwan

Beef Noodle Soup

Man kann nicht über Taipei schreiben, ohne das Essen zu erwähnen. In den Tagen rund um den Pride habe ich mich natürlich durchprobiert. Ob Rindfleischnudelsuppe (Beef Noodle Soup), die als inoffizielles Nationalgericht gilt, oder die berühmten Xiao Long Bao (Suppen-Dumplings) bei Din Tai Fung – das Essen in Taipei ist ein Grund für sich, die Reise anzutreten. An einigen Ständen auf Nachtmärkten wird der beliebte „Stinky Tofu“ angeboten. Man riecht den für uns doch recht strengen Geruch schon von weitem. Ich habe mich auch mal herangetraut, und er schmeckt tatsächlich viel besser als er riecht. Aber mein Favorit wird er trotzdem nicht.

Kontrastprogramm: Wenn die Stadt mal zu viel wird

So sehr ich den Trubel des Prides und das bunte Treiben in den Straßen genossen habe – manchmal braucht man in einer 2,5-Millionen-Metropole einen Moment zum Durchatmen. Das Schöne an Taipei ist, dass man innerhalb von 30 Minuten aus dem Betonjungel mitten im tiefsten Grün sein kann.

Meine zwei absoluten Empfehlungen für eine kurze Auszeit sind der Elephant Mountain und Maokong, beides sehr einfach mit der U-Bahn zu erreichen.

Elephant Mountain (Xiangshan): Der Logenplatz über der Stadt

Wenn man die Skyline von Taipei verstehen will, muss man sie von hier aus sehen. Der Elephant Mountain ist kein Geheimtipp, aber er ist ein absolutes Muss. Der Aufstieg über die steilen Treppenstufen ist – besonders bei der subtropischen Hitze – eine kleine Herausforderung, für die man oben jedoch mehr als entschädigt wird.

Während unten in den Straßen das bunte Treiben herrscht, blickt man von hier oben auf den majestätischen Taipei 101, der wie ein Anker aus dem Häusermeer ragt. Ich war tagsüber dort, aber ich denke zum Sonnenauf- oder -untergang ist es noch beeindruckender. Ein perfekter Ort, um auszuruhen und einen tollen Blick auf die Skyline von Taipei zu bekommen.

Ich bin 2023 den Elephant Mountain hochgegangen. Unbedingt etwas zu Trinken mitnehmen, man unterschätzt den Aufstieg besonders bei großer Hitze etwas. Es sind zwar nur 170 Höhenmeter, aber die steilen Stufen haben es in sich.

Maokong: Mit der Gondel in die Stille der Teeberge

Ein völlig anderes Taipei erlebt man, wenn man in die braune MRT-Linie steigt und bis zur Endstation fährt. Von dort schwebt man mit der Maokong Gondola (hier auf Google Maps) (Option: die ‚Crystal Cabins‘ mit Glasboden – braucht man aber nicht unbedingt) über tiefe, grüne Täler hinauf in die Berge. Die einfache Fahrt dauert viel länger als gedacht, fast eine halbe Stunde!

Oben angekommen, ist die feuchte Hitze der Stadt einem angenehmen Wind gewichen. Bei mir war es schon fast etwas frisch oben, also bei der Kleidung dran denken. Maokong ist berühmt für seinen Tee, und es gibt nichts Entspannenderes, als sich in eines der traditionellen Teehäuser zu setzen. Diese sind recht verteilt. Man lässt sich die traditionelle Tee-Zeremonie erklären und genießt die wunderschöne Aussicht mitten im Grünen. Ein super Kontrast zum Pride und dem Trubel in der Stadt: Hier laute Party, dort die ruhige, jahrhundertealte Tradition des Tee-Anbaus. Genau diese Mischung macht Taipei so einzigartig, es ist für jeden etwas dabei.

Tickets für die Gondel gibt es vor Ort oder direkt bei GetYourGuide (Affiliate-Link):

Maokong, Taipei

Fazit

Taipei ist eine tolle Stadt, eine meiner Lieblingsorte in Asien und immer wieder einen Besuch wert. Und dass ich den Pride miterleben konnte, war ein besonderes Highlight für mich. Es war der bunte Schlusspunkt meiner Taiwan-Rundreise, die mir wieder einmal gezeigt hat, wie offen und inklusiv das Leben in Taiwan ist. Zusammen mit den tollen Ausflügen die man in der Umgebung machen kann, sollte Taipei und Taiwan unbedingt auch bei Dir mal auf der Liste stehen. Es ist so ein tolles Land!  Ich bin sicherlich bald wieder dort – ganz bestimmt.