Tolle Wanderung vor den Toren Münchens: 25 km vom Starnberger See bis zum Ammersee
An einem der ersten wärmeren Frühlingstage in diesem Jahr haben wir uns entschlossen, mal wieder eine Wanderung in der Umgebung Münchens zu machen. Schon in der Vergangenheit haben wir super Strecken und Gegenden entdeckt, die wir so noch nie gesehen haben. Zum Wandern sind wir sonst immer in die Berge gefahren, aber das muss gar nicht sein. Es gibt so viel tolle Ecken auch in der näheren Umgebung zu entdecken.
Bei angekündigten 16 Grad im Laufe des Tages und Sonne pur war erst einmal die Herausforderung, wo es hingehen sollte. Vorlage ist dabei immer das Münchener S-Bahn-Netz und die nähere Umgebung im Alpenvorland, die man mit der Regionalbahn erreichen kann. Die Wahl ist auf die Endstation der S-Bahn-Linie 6 gefallen, den Ort Tutzing am Starnberger See, wo die Wanderung starten sollte. Über Pähl und Raisting soll es bis nach Dießen am Ammersee gehen. Eine etwas längere Wanderung mal wieder.
Start in Tutzing bei 2 Grad
Der Bahnhof Tutzing ist aus München recht einfach mit der S-Bahn-Linie 6 zu erreichen (Endstation) oder aber mit verschiedenen Regionalbahnen vom Hauptbahnhof aus, was etwas schneller geht (unter 30 Minuten). Hier sollte unsere heutige Wanderung starten.
Von den im Laufe des Tages angekündigten 16 Grad war noch nichts zu spüren, es war richtig frisch mit gerade einmal 2 Grad. Aber die Sonne war da und sollte auch bleiben. Die mehreren Schichten die ich angezogen habe waren heute tatsächlich auch notwendig.
Vom Bahnhof aus ging die Wanderung los durch den Wald, erst einmal hinauf an den Rand der Ilkahöhe. Auf diesen ersten 2,5 km wurden auch die meisten Höhenmeter gemacht, aber insgesamt waren es nur etwa 100 Höhenmeter bis hierhin. Der größte Anstieg war schon geschafft. Der Ausblick auf die Alpen war atemberaubend – sonnig, klare Sicht, einfach toll.
Was ist eine Einhemmstelle?
Nach einem Stück auf der Monatshausener Straße, einer schmalen, geteerten Straße, die kaum so breit wie ein Auto ist (kaum Verkehr, es ist uns genau ein Auto begegnet), sind wir plötzlich an einem Schild vorbeigekommen, das am Wegesrand platziert war. Eindeutig aus früheren Zeiten sagte das Schild „Einhemmstelle“ mit einem seltsamen Bild, das aussah wie ein Amboss. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was das sein soll. Was also bedeutet „Einhemmen“?
Daher hier ein kleiner Exkurs in die Geschichte:
Das Schild ist ein historisches Verkehrsschild aus der Zeit der Pferde- und Wagenfuhrwerke. Eine Einhemmstelle war eine Stelle, an der Fuhrwerke vor einem stärkeren Gefälle ihre Räder mit einem Hemmschuh (Radschuh) blockieren sollten. Dieser Hemmschuh wurde an ein Rad gelegt, damit der Wagen beim Bergabfahren gebremst wurde. Der Hemmschuh funktionierte wie eine primitive Bremse: Ein Holz- oder Metallklotz wurde am Rad befestigt, so dass der Klotz beim Rollen bergab über den Boden schleifte. Dadurch wurde das Fahrzeug stark gebremst.
Na, wer hat’s gewusst? Wir haben das Schild zum ersten Mal gesehen. Warum es dort immer noch steht wissen wir nicht. Vielleicht wurde es einfach vergessen, oder es bleibt aus historischen Gründen. Jedenfalls sehr spannend, was man auf einer Wanderung immer so entdeckt!
Gut Kerschlach
Nach etwas über 6 km Wanderung durch den Wald und über Wiesen sind wir bei einem riesigen Landgut angekommen, das „Gut Kerschlach“ heißt. Vor dem riesigen Gelände standen unzählige Pferdetransport-Anhänger und ein riesiger Gatter auf dem man auch einige Pferde sehen konnte. Das früherer Klostergut der Benediktinerinnen ist heutzutage ein Biohof für Land- und Forstwirtschaft und ein Reiterhof. Und vermarketet sich selbst auch als perfekte Eventlocation für die eigene Traumhochzeit oder etwas anderes. Zentral auf dem Gelände ist allerdings die riesige Reithalle.
Nebenan befand sich auch eine etwas schickere Tagesbar, aber nach gerade einmal 6 km wollten wir noch keine Pause machen. 10 km sollten es schon werden, sonst lohnt sich eine Pause nicht und man kommt nur schwer wieder hoch vom Stuhl.
Der Hof liegt wirklich wunderschön auf einer kleinen Anhöhe und man hat einen tollen Ausblick auf die Berge. Dass man. hier gut feiern kann, ist offensichtlich. Zumindest, wenn man das nötige Kleingeld hat.
Pähl
Die kleine Ortschaft Pähl (Landkreis Weilheim-Schongau) war unser erster geplanter Stopp auf der heutigen Wanderung. Hier soll es eine geöffnete Gaststätte geben laut voriger Recherche. Es war mittlerweile knapp 12 Uhr mittags und der Hunger und Durst kam so langsam durch.
Beim Herabwandern nach Pähl kam uns eine Pferdekutsche entgegen, und eine kleine Parkbank hat uns erneut mit einem wunderschönen Ausblick auf den Ort und die Berge belohnt. Die Zugspitze hat sich uns von ihrer besten Seite gezeigt.
Die Pähler Schlucht (dauerhaft geschlossen)
Den Ort Pähl verbinde ich bis heute vor allem mit der direkt nebenan gelegenen Pähler Schlucht, die ich leider nie begehen konnte. Die ca. 1 km lange Schlucht hat am Ende einen 16 Meter Wasserfall zu bieten. Eine Wanderung war schon lange geplant, aber bei der Planung ist es geblieben. 2021 hat ein Unwetter die Schlucht heimgesucht und das Naturschutzgebiet größtenteils so zerstört, dass die Wege nicht mehr begehbar waren, es bestand seitdem ein Betretungsverbot aufgrund von Lebensgefahr durch Steinschlag und abstürzende Hänge.
Offensichtlich ist auch schon etwas passiert, die Leute sind natürlich trotz des Betretungsverbots hineingewandert. Seit 2024 ist die Pähler Schlucht für immer gesperrt und die Stadt Pähl hat die dort befindlichen Wege „entwidmet“. Eine Sanierung wäre nicht finanzierbar. Schade – ich wäre gerne einmal in die Schlucht gegangen. Wen es interessiert, wie es dort aussieht, dem sei dieser Beitrag von weltweit-daheim.de empfohlen.
Die kleine Ortschaft Pähl ist sehr malerisch muss ich sagen. Hier scheint es alles zu geben, Schule, Sportplatz, Cafés, Vereine. Obendrüber thront das Hochschloss Pähl (zu dem wir es nicht geschafft haben). Im TSV Pähl hat übrigens der Fußballer Thomas Müller 7 Jahre lang in seiner Jugendzeit gespielt!
In der Mitte stand dann unser erstes Halbzeit-Ziel: Das Gasthaus zur Alten Post. Leider war trotz des wunderschönen Wetters (mittlerweile war es um die 13 Grad warm) der Außenbereich geschlossen. Innendrin ist es etwas altbacken eingerichtet (wie ein klassischer Gasthof auf dem Land), aber die Speisekarte war überraschend hochwertig. Sowohl die Kartoffelsuppe mit Trüffel als auch mein Wiener Beuscherl waren hervorragend. Das Augustiner vom Fass hat natürlich besonders gut geschmeckt.
Die Erdfunkstelle Raisting
Mehr als eine Stunde konnten wir natürlich nicht Pause machen, denn wir hatten ja noch nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft, also ging nach es gesättigt und nach nur einem Bier direkt weiter.
Die großen Antennen der Erdfunkstelle Raisting haben wir schon gesehen, als wir nach Pähl abgestiegen sind – jetzt ging die Wanderung meist schnurgeradeaus über ebene Wiesen und Felder. Offensichtlich war gerade auch die beste Zeit zu düngen, wie man unschwer beim Wandern feststellen konnte… der frische Duft auf dem Land sozusagen.
Ein kurzer Schwenk um den Raistinger Weiher (im Sommer kann hier wohl gebadet werden), und schon standen wir vor der Erdfunkstelle Raisting.
Die Erdfunkstelle wurde 1963 von der Deutschen Bundespost gegründet. Bis 2005 hat hier die Telekom Kommunikationsdienste zur Verfügung gestellt. Die runde Traglufthalle ist am imposantesten und erinnert einen etwas an Science-Fiction-Filme oder Akte X. Außerirdische haben wir leider keine getroffen.
Im Inneren befindet sich die Antenne 1, heute nicht mehr in Betrieb und seit 1999 als technisches Denkmal unter Denkmalschutz gestellt, allerdings wird wohl an einem Wiederbetrieb gearbeitet. Auch die weiteren Parabolantennen mit Durchmessern zwischen 7 und 32 Metern, die teilweise weit auseinander liegen, sind beeindruckend anzusehen.
Derzeit werden weiterhin internationale Satellitenverbindungen über die 7 großen und 50 kleineren Antennen angeboten und weitere Fundamente für neue Antennen errichtet. Fünf kleinere Antennen bei der kleinen Kirche St. Johann sind offenbar bereits im Einsatz für Jeff Bezos von Amazon (Projekt „Kuiper“).
Weitere Informationen zur Erdfunkstelle findet ihr auf der Webseite von Radom.
Über das Gelände können Führungen angefragt werden, die von April bis Oktober möglich sind.
Raisting – ein Paradies für Störche
Von der Erdfunkstelle aus ging die Wanderung weiter in den kleinen Ort Raisting ein paar hundert Meter weiter. Auch dieser kleine Ort hat einen sehr gemütlichen Eindruck gemacht, aber zuallererst mussten wir im traditionsreichen Gasthof Drexl direkt am Bahnhof Raisting eine Pause nach fast 19 km einlegen. Dieses Mal gab es sogar einen geöffneten Biergarten und dann ein leckeres Weißbier.
Im Ort sind uns direkt die vielen Storchennester aufgefallen. Es waren bestimmt mindestens 4 Nester auf den Schornsteinen und Strommasten. Und viele klappernde Storche. So schön anzusehen, man sieht heutzutage nicht mehr allzu oft diese wunderschönen Tiere.
Dießen am Ammersee
Die letzten Kilometer ging die Wanderung an der Bahnlinie entlang, bis wir in Dießen am Ammersee angekommen sind. Kurz nach dem Schacky-Park sind wir noch im etwas unscheinbaren Bohne 37 (Google Maps) mitten zwischen Autohäusern gelandet, dort gab es superleckeren Kaffee zur Stärkung (ein wirklich sehr sympathisches gemütliches veganes Café mit Speciality Coffee und leckeren Backwaren, Webseite).
Wer in Dießen am Ammersee ist, muss unbedingt eine Fischsemmel essen, sonst war man praktisch nicht hier. Glücklicherweise wird einem das sehr einfach gemacht, denn entlang der malerischen Mühlstraße mit schönen Geschäften und Restaurants gibt es einige Fischläden. Der frische Saibling mit Meerrettich in der Semmel war so gut und eine große Portion noch dazu, unbedingt probieren! Wir waren in der Fischerei Gastl (Webseite / Google Maps).
Im Unterbräu direkt gegenüber haben wir den Abend dann ausklingen lassen, bevor es nach einem Blick über den Ammersee zum Bahnhof ging.
Die ganze Wanderung findet ihr auf Komoot:
Heimfahrt
Nach etwas über 25 km Wanderung war die letzte Herausforderung nur noch die Heimfahrt. Nicht ganz so einfach, wie nach Tutzing zu fahren, da Dießen keinen S-Bahn-Anschluss hat. Mit der Regionalbahn kann man auch nicht direkt nach München fahren, der Zug biegt leider nach links Richtung Augsburg ab. Es war aber dennoch kein Problem – es ging ein paar Minuten nach Weilheim und von dort dann nach einem kurzen Umstieg mit der nächsten Regionalbahn zurück nach Tutzing oder weiter nach Pasing bzw. München Hauptbahnhof, und das auch recht schnell.
Fazit
Wieder einmal hat uns dieser Tag gezeigt, wie schön es vor der eigenen Haustür ist. Ich war bisher weder in Pähl, noch in Raisting oder habe die Erdfunkstation gesehen. Toll! Und ein Besuch in Dießen am Ammersee lohnt sich ohnehin immer.
Wer hat Lust hier auch mal wandern zu gehen? Habt ihr vielleicht ähnliche tolle Tipps? Viel Spaß beim Nachwandern!

